Wie ich eine 20-minütige Leistungsstufe von 440 Watt aufgebaut habe

Toni Tähti ajaa Sellaronda Hero-kisassa Dolomiiteillä maastopyörällä

Wie kam es schließlich zu einer 20-Minuten-Leistung von 440 Watt?

Man sieht heute leicht Leistungswerte auf Strava und denkt, es sei Talent.
Als wäre jemand einfach dafür geboren.
Bei mir war es nicht so.
Es gab keinen Abkürzungsweg.
Es gab Jahre, in denen scheinbar nichts voranging.

Lange Zeit lag meine 20-Minuten-Leistung bei etwa 300 Watt.
Ich trainierte viel, absolvierte harte Einheiten und ging regelmäßig an meine Grenzen.
Und trotzdem passierte nichts.
Es spielte keine Rolle, wie sehr ich mich im Training quälte.
Der Messwert blieb gleich.
300.

Irgendwann wurde mir eine entscheidende Sache klar.
Einzelne sehr harte Trainingseinheiten führen nicht automatisch zu einer Leistungssteigerung.
Sie erzeugen vor allem das Gefühl, dass gerade etwas passiert.
Der Körper passt sich jedoch nicht an Härte an.
Er passt sich an kontrollierte, wiederholbare Reize an.

Als ich das wirklich verstanden hatte, änderte sich alles.
Nicht nach einer einzigen Einheit, sondern nach vielen gezielt geplanten und kontrollierten Belastungen begann sich etwas zu bewegen.
Es fühlte sich an, als würde sich eine neue Tür öffnen.

Aus 300 wurden 350.
Aus 350 wurden 380.
Und schließlich erreichte ich die Grenze von 400 Watt, die ich tatsächlich stabil halten konnte.
An diesem Punkt wird klar, dass es der Physiologie egal ist, wie sehr man leidet.
Die Physiologie reagiert darauf, wie oft man dem Körper denselben korrekten Reiz vermittelt.

Das ist der Kern der Sache.

Was passiert dabei wirklich?

Beginnt man mit Training, das ein System aufbaut, bestimmen drei Faktoren das Endergebnis.

Erstens. Die Energieerzeugung muss neu aufgebaut werden.

Hier scheitern die meisten.
Wenn die Energieproduktion nicht richtig entwickelt ist, lässt sich Leistung auch mit sehr hartem Training nicht steigern.

Für mich lag der Schlüssel darin zu lernen, Laktat als Energiequelle zu nutzen.
Mit einer Intensität zu fahren, die den Körper nicht blockiert, sondern ihm beibringt, Laktat zu recyceln und als Brennstoff einzusetzen.

Sobald dieser Mechanismus greift, steigt die Leistung, ohne dass sich das Belastungsgefühl dramatisch verändert.

Zweitens. Anzahl und Qualität der Mitochondrien sind entscheidend.

440 Watt entstehen nicht allein in den Beinen.
Sie entstehen in den Zellen.
Die Mitochondrien entscheiden darüber, ob man sieben, zwölf oder zwanzig Minuten durchhält.

Arbeiten die Mitochondrien effizient, sind 440 Watt keine zerstörerische Belastung mehr.
Es ist ein kontrolliertes, beherrschbares Unbehagen.
Eines, das sich ohne Zusammenbruch aufrechterhalten lässt.

Drittens. Die Pedaltechnik darf sich nicht ausschließlich auf die vorderen Oberschenkel stützen.

Das war eine der größten praktischen Veränderungen in meinem eigenen Fahrstil.
Hätte ich versucht, 20 Minuten lang 440 Watt ausschließlich über die Oberschenkel zu drücken, wäre ich nach weniger als zehn Minuten eingebrochen.

Die Aktivierung der hinteren Muskelkette veränderte alles.
Die Energie verteilt sich breiter.
Die Belastung konzentriert sich nicht mehr auf eine einzelne Muskelgruppe.
Die Leistung bleibt stabiler, und man hat das Gefühl, die Situation unter Kontrolle zu haben.

Am Ende geht es nicht um einen einzelnen Trick.

Es ist die Summe vieler kontrollierter Reize.
Ein ruhiger, langfristiger Prozess.
Die Erkenntnis, dass sich Physiologie entwickelt, wenn sie logisch und konsequent strukturiert wird.

440 Watt waren für mich keine magische Zahl, die plötzlich auftauchte.
Sie waren das Ergebnis zellulärer Funktionalität, die sich über Jahre aufgebaut hat.

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Autor: Toni Tähti, Radsporttrainer und finnischer XCM-Meister 2024.

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